Franz

ÔĽŅ
Franz
I
FraŐ£nz,
 
Herrscher:
 
 Heiliges Röm. Reich:  
¬†1) FraŐ£nz I., Kaiser (seit 1745), als Herzog von Lothringen und Gro√üherzog von Toskana Franz SteŐ£phan, * Nancy 8. 12. 1708, ‚úĚ Innsbruck 18. 8. 1765; wurde seit 1723 am Hof Kaiser Karls VI. in Wien erzogen, erhielt 1729 das schlesische Herzogtum Teschen und folgte im gleichen Jahr seinem Vater, Herzog Leopold, in Lothringen. 1736 musste er dieses infolge des Polnischen Thronfolgekrieges (Wiener Vorfriede 1735) an den entthronten Polenk√∂nig Stanislaus I. LeszcyŇĄski, den Schwiegervater Ludwigs XV. von Frankreich, abtreten, erhielt daf√ľr 1737 das Gro√üherzogtum Toskana und wurde Reichsgeneralfeldmarschall. Seit 1736 mit Maria Theresia verm√§hlt, wurde er, Vater von 16 Kindern, zum Stammvater des Hauses Habsburg-Lothringen. Seit 1740 war Franz formell Mitregent in den Erblanden. Er √ľbte zwar keinen Einfluss aus, machte sich aber durch √∂konomische und administrative Reformen verdient. 1745 wurde er als Nachfolger Karls VII. Kaiser.
 
 
H. L. Mikoletzky: Kaiser F. I. Stephan u. der Ursprung des habsburgisch-lothringischen Familienvermögens (1961);
 G. Schreiber: F. I. Stephan (Graz 1986);
 R. Zedinger: Hochzeit im Brennpunkt der Mächte. F. Stephan von Lothringen u. Erzherzogin Maria Theresia (Wien 1994).
 
¬†2) FraŐ£nz II., letzter Kaiser (1792-1806) des Heiligen R√∂mischen Reiches, als FraŐ£nz I. 1804-35 Kaiser von √Ėsterreich, * Florenz 12. 2. 1768, ‚úĚ Wien 2. 3. 1835, Sohn Kaiser Leopolds II., Gro√üvater von 11). Kurz nach seiner Thronbesteigung erkl√§rte Frankreich √Ėsterreich und 1793 auch Kaiser und Reich den Krieg. In den Koalitionskriegen, aus denen Brandenburg-Preu√üen nach dem Basler Frieden (5. 4. 1795) ausschied, musste Franz in den Friedensschl√ľssen so gro√üe Gebietsverluste hinnehmen, dass sich der √∂sterreichische Herrschaftsbereich auf B√∂hmen, Ungarn, Nieder- und Ober√∂sterreich sowie Steiermark beschr√§nkte. Er proklamierte am 11. 8. 1804 das alle Erblande zusammenfassende Kaisertum √Ėsterreich, um Rang- und W√ľrdegleichheit mit Napoleon I. zu wahren. Angesichts der inneren Aufl√∂sung des Heiligen R√∂mischen Reiches und der immer st√§rkeren Hinwendung von Reichsf√ľrsten zu Frankreich, die im Rheinbund am 12. 7. 1806 einen H√∂hepunkt erreichte, legte Franz am 6. 8. 1806 die R√∂mische Kaiserkrone nieder und erkl√§rte die R√∂mische Kaiserw√ľrde f√ľr erloschen, um Napoleon keine M√∂glichkeit zu geben, sich dieser W√ľrde zu bem√§chtigen. Nach den milit√§rischen Niederlagen von 1809 und dem Frieden von Sch√∂nbrunn (14. 10. 1809 sowie der Ernennung K. W. F√ľrst von Metternichs zum Au√üenminister suchte Franz sich Napoleon zu n√§hern. Er stimmte 1810 der Verheiratung seiner √§ltesten Tochter Marie-Luise mit diesem zu (1. 4. 1810). Im russischen Feldzug 1812 nahm Franz eine vorsichtige, vermittelnde Haltung ein, zun√§chst in zur√ľckhaltender Mitwirkung, dann auf der Grundlage einer bewaffneten Neutralit√§t. Nach dem Scheitern der Vermittlungsversuche schloss er sich zun√§chst geheim (1813) der gro√üen Allianz (Russland, England, Preu√üen, √Ėsterreich) an. Die Quadrupelallianz von Chaumont (1814) und die Vierm√§chtekonvention von Wien (1815) bildeten seither die Grundlage der Politik, die auf dem Wiener Kongress 1814/15 festgelegt wurde (¬ĽHeilige Allianz¬ę). - Franz hielt an den Grunds√§tzen der Erhaltung der legitimen politischen und sozialen Ordnung fest und folgte im Wesentlichen der politischen Linie seines Onkels Kaiser Joseph II., ohne aber dessen Bedeutung zu erlangen. Sein Beharren auf Tradiertem und seine Gleichsetzung von Reform mit Revolution f√ľhrten unter der √Ągide von Metternich zu einem sozialkonservativen System.
 
 
 
W. Tritsch: Metternich u. sein Monarch (1952);
 M. Rauchensteiner: Kaiser F. u. Erzherzog Carl (1972);
 C. Hattenhauer: Wahl u. Krönung F. II. AD 1792 (1995).
 
¬†Bamberg und W√ľrzburg: ¬†
¬†3) FraŐ£nz Ludwig Freiherr von EŐ£rthal, F√ľrstbischof (seit 1779) von Bamberg und W√ľrzburg, * Lohr am Main 16. 9. 1730, ‚úĚ W√ľrzburg 14. 2. 1795; nach umfassender juristischer und theologischer Ausbildung reformierte Franz Ludwig als einer der Hauptvertreter der katholischen Aufkl√§rung seine beiden F√ľrstbist√ľmer durch eine vorbildliche Verwaltung auf vielen Gebieten (Finanz-, Schul- und Armenwesen, Landwirtschaft, Krankenh√§user) und durch seine pers√∂nliche Kontrolle u. a. von Pfarreien und Priesterausbildung. Dem Deutschen F√ľrstenbund von 1785 trat er aus Kaiser- und Reichstreue ebensowenig bei wie der die Stellung der Suffraganbisch√∂fe einschr√§nkenden und gegen den Papst gerichteten Emser Punktation.
 
 
H. Flursch√ľtz: Die Verw. des Hochstiftes W√ľrzburg unter F. L. von Erthal (1965);
 M. Renner: F. L. von Erthal, in: Fränk. Lebensbilder, hg. v. G. Pfeiffer, Bd. 1 (1967).
 
 Bretagne:  
¬†4) FraŐ£nz II., Herzog (seit 1458), * √Čtampes 23. 6. 1435, ‚úĚ Cou√ęron (bei Nantes) 9. 9. 1488; mu√üte die Selbstst√§ndigkeit seines Herzogtums gegen K√∂nig Ludwig XI. von Frankreich verteidigen, beteiligte sich 1465 an der gegen die Krone opponierenden Adelskoalition (¬ĽLigue du Bien public¬ę), unterst√ľtzte 1467/68 Karl von Berry, den Bruder des K√∂nigs, in seinem Kampf um die Normandie und verb√ľndete sich mehrmals mit Eduard IV. von England. Franz wurde von den Truppen der Regentin Anna von Beaujeu am 28. 7. 1488 bei Saint-Aubin-du-Cormier (bei Foug√®res) geschlagen und musste am 19. 8. 1488 den Frieden von Verger (bei Sabl√©, D√©partement Sarthe) schlie√üen. Seine Erbtochter Anna von Bretagne (Anna, Herrscherinnen, Frankreich) wurde die Gemahlin zweier franz√∂sischer K√∂nige.
 
 
J. Choffel: Le dernier duc de Bretagne (Paris 1977).
 
 Frankreich:  
¬†5) FraŐ£nz I., K√∂nig von Frankreich, (seit 1515), * Cognac 12. 9. 1494, ‚úĚ Rambouillet 31. 3. 1547, Sohn Karls von Orl√©ans, des Grafen von Angoul√®me (* 1459/60, ‚úĚ 1496), und der Luise von Savoyen (‚úĚ 1531), Gro√üvater von 6); folgte seinem Vetter Ludwig XII., dessen Tochter Claudia er 1514 geheiratet hatte. Gleich zu Beginn seiner Regierung eroberte Franz durch seinen Sieg √ľber die im Dienst Mailands stehenden Schweizer bei Marignano (1515) das Herzogtum Mailand. Der 1516 mit den Schweizern geschlossene ¬ĽEwige Frieden¬ę r√§umte allein Frankreich das Recht ein, S√∂ldner aus der Eidgenossenschaft zu ziehen. Als Erbe der franz√∂sischen Anspr√ľche auf Italien und Burgund in Abwehr der Umklammerung durch die habsburgischen L√§nder wurde Franz zum dauernden Gegner Karls V., dessen Kaisertum er als Mitbewerber bei der Kaiserwahl (1519) zu verhindern suchte. Nach der Niederlage bei Pavia (1525) gefangen genommen, gewann er durch den Scheinfrieden von Madrid (1526), den er nach seiner Freilassung widerrief, seine Handlungsfreiheit zur√ľck. Erst 1544 beendete der Friede von Cr√©py die Kriege mit Karl V.
 
Franz war ein gl√§nzender Renaissancef√ľrst voll politischer Energie. Auch seine Haltung zu den religi√∂sen und kirchlichen Gegens√§tzen der Epoche wurde vornehmlich durch politische Gesichtspunkte bestimmt. Er suchte Verbindung mit den T√ľrken und den protestantischen Reichsst√§nden, um die Macht des Hauses Habsburg einzud√§mmen, trat aber in Frankreich selbst der Ausbreitung der Reformation mit wachsender Entschiedenheit entgegen. Im Inneren suchte er die Macht der Krone und die Einheit des Staates zu st√§rken. Das Konkordat, das er 1516 mit Papst Leo X. in Bologna schloss, gab ihm das Besetzungsrecht f√ľr die franz√∂sischen Bist√ľmer. Die geistliche Gerichtsbarkeit √ľber Laien wurde zur√ľckgedr√§ngt durch die Ordonnanz von Villers-Cotter√™ts (bei Soissons), 1539; unter seiner Regierung entstanden Ans√§tze f√ľr ein neues, nur von der Krone abh√§ngiges Beamtentum. Franz kann als Wegbereiter des franz√∂sischen Absolutismus gelten. Sein Herrscherbewusstsein √§u√üerte sich auch in einem gro√üz√ľgigen M√§zenatentum, das den geistigen und wissenschaftlichen Bestrebungen der Renaissance in Frankreich Eingang verschaffte. Er rief Leonardo da Vinci, B. Cellini und F. Primaticcio ins Land und f√∂rderte die humanistischen Studien durch die Begr√ľndung des Coll√®ge de France (1530).
 
 
 
Catalogue des actes de François Ier, hg. v. A. u. J. Picard, 10 Bde. (Paris 1887-1908);
 C. Terrasse: François Ier, le roi et le règne, 3 Bde. (ebd. 1943-70);
¬†E. D√ľsterwald: F. I. von Frankreich (1974);
 R. J. Knecht: Francis I. (Cambridge, Mass., 1982);
 G. Treffer: F. I. von Frankreich (1494-1547). Herrscher u. Mäzen (1993).
 
¬†6) FraŐ£nz II., K√∂nig (seit 1559), * Fontainebleau 19. 1. 1544, ‚úĚ Orl√©ans 5. 12. 1560, √§ltester Sohn Heinrichs II. und der Katharina von Medici, Enkel von 5); »ä seit 1558 mit Maria Stuart. Franz' kurze Regierung stand unter dem bestimmenden Einfluss seiner Mutter sowie der Br√ľder Fran√ßois und Charles de Guise (Onkel seiner Frau Maria). Gegen diese verschworen sich die Hugenotten (¬ĽVerschw√∂rung von Amboise¬ę, 1560). Der pl√∂tzliche Tod des K√∂nigs beendete die Vorherrschaft der Familie Guise.
 
 Liechtenstein:  
¬†7) FraŐ£nz Joseph II., F√ľrst (seit 1938), * Frauenthal (Steiermark) 16. 8. 1906, ‚úĚ Grabs (Kanton Sankt Gallen) 13. 11. 1989; »ä seit 1943 mit Georgine (Gina) von Wilczek (* 1921, ‚úĚ 1989). Er regierte sein Land im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie und √ľbertrug 1984 die Aus√ľbung der Hoheitsrechte seinem Sohn Hans Adam, der 1989 die Thronfolge antrat.
 
 Lothringen:  
¬†8) FraŐ£nz SteŐ£phan, Herzog, Franz 1).
 
 Mailand:  
¬†9) FraŐ£nz I., italienisch Francesco I. [fran't Éesko], Herzog, Sforza, Francesco.
 
¬†Osnabr√ľck: ¬†
¬†10) FraŐ£nz WiŐ£lhelm Graf von WaŐ£rtenberg, Bischof von Osnabr√ľck (seit 1625) und Regensburg (seit 1649), * M√ľnchen 1. 3. 1593, ‚úĚ Regensburg 1. 12. 1661. Der aus der morganatischen Ehe Ferdinands von Bayern mit Maria von Pettenbeck stammende Franz W. geh√∂rte nach seiner Ausbildung an den jesuitischen Hochschulen von Ingolstadt und Rom sowie seiner politischen T√§tigkeit in kurk√∂lnischen Diensten zu den entschiedensten Vertretern der auf den Reformdekreten des Trienter Konzils (1545-63) gegr√ľndeten und durch das Restitutionsedikt von 1629 intensivierten Rekatholisierungspolitik. Von seinen kirchlichen Funktionen aus der Zeit des Drei√üigj√§hrigen Krieges 1618-48 behielt er nur den Bischofsstuhl von Osnabr√ľck, f√ľr dessen zuk√ľnftige, im Wechsel mit Protestanten zu erfolgenden Besetzung er 1648 reichsrechtlich verankerte Sonderregelungen nicht verhindern konnte. 1660 wurde er zum Kardinal ernannt.
 
 
G. Schwaiger: Kardinal F. W. von Wartenberg als Bischof von Regensburg (1954).
 
¬†√Ėsterreich-Ungarn: ¬†
¬†11) FraŐ£nz Joseph I., Kaiser von √Ėsterreich (seit 1848) und K√∂nig von Ungarn (seit 1867), * Sch√∂nbrunn (heute zu Wien) 18. 8. 1830, ‚úĚ ebenda 21. 11. 1916, Neffe von Kaiser Ferdinand I. von √Ėsterreich, Enkel von Kaiser 2) von √Ėsterreich, Onkel von Erzherzog 12), »ä 24. 4. 1854 mit Elisabeth von Bayern, ab um 1889 enge Verbindung zur Schauspielerin Katharina Schratt (* 1855, ‚úĚ 1940); trat am 2. 12. 1848 nach der Abdankung seines Onkels die Regierung an (Annahme des Doppelnamens Franz Joseph). Unter dem Eindruck der M√§rzrevolution von 1848 sah Franz Joseph in der Wiederherstellung der Autorit√§t der Zentralgewalt sowie in der Sicherung von deren unbeschr√§nkter Gewalt eine seiner Hauptaufgaben. Beeinflusst von Franz F√ľrst zu Schwarzenberg, widerrief er die oktroyierte Verfassung vom 4. 3. 1849 am 31. 12. 1851 (Silvesterpatent); sie wurde ersetzt durch das System des neoabsolutistischen Zentrismus, das auch durch seine klerikale Kirchenpolitik seit 1852 die monarchische Vormachtstellung betonte. Das Festhalten an Tradiertem (u. a. √Ėsterreichs Vormachtstellung in Mitteleuropa) sowie der von dynastischen Interessen eingeschr√§nkte staatsm√§nnische Weitblick lie√üen Franz Joseph auf innen- und au√üenpolitischen Problemstellungen nur langsam reagieren. √Ėsterreichs internationale Isolierung im Krimkrieg 1853/54-56 sowie die Niederlage im Sardinisch-Franz√∂sisch-√Ėsterreichischen Krieg (Magenta und Solferino 1859) resultierten zum Teil aus seinen pers√∂nlichen Fehleinsch√§tzungen. Danach wandte sich Franz Joseph st√§rker konstitutionellen Formen zu (f√∂deratives Oktoberdiplom vom 20. 10. 1860, liberalistisch-zentralistisches Februarpatent vom 26. 2. 1861, Dezember-Verfassung vom 21. 12. 1867). Die Niederlage im Deutschen Krieg 1866 (K√∂niggr√§tz, 3. 7.) erzwang eine Verst√§ndigung mit Ungarn; auch unter dem Einfluss seiner Frau lie√ü er den √Ėsterreichisch-Ungarischen Ausgleich (1867) abschlie√üen, der eine Realunion von √Ėsterreich und Ungarn schuf. In der Folge orientierte sich Franz Joseph an der zentralistischen Verfassung von 1861, ohne allerdings die heftigen Nationalit√§tenk√§mpfe, besonders ab 1893-97, √ľberwinden zu k√∂nnen. Die von den Thronfolgern, Kronprinz Rudolf beziehungsweise (ab 1896) Erzherzog Franz Ferdinand, angestrebten Reformen lehnte er insgesamt ab. Grundlagen seiner Au√üenpolitik waren (nach 1866) Zweibund (1879) und Dreibund (1882), wobei er die wachsenden Spannungen mit Russland wegen der Balkanfrage (1878/1908) nicht erkannte. Seine Fehleinsch√§tzung der Kr√§fteverh√§ltnisse trug mit zu der Krisenkonstellation bei, die schlie√ülich den Ersten Weltkrieg ausl√∂ste, wenn ihm auch kein entscheidender Anteil am Kriegsausbruch (Julikrise 1914) zukam. - Die Epoche von 1848 bis 1914-18 wird in √Ėsterreich auch als ¬ĽFranzisko-josephinische √Ąra¬ę bezeichnet.
 
 
Ausgaben: Briefe Franz Josephs an seine Mutter, herausgegeben von F. Schn√ľrer (1930); Briefe Kaiser Franz Josephs an Kaiserin Elisabeth 1859-1898, herausgegeben von G. Nostitz-Rienek (1966).
 
 
A. Novotny: F. J. I. (1968);
¬†A. Palmer: F. J. I., Kaiser von √Ėsterreich u. K√∂nig von Ungarn (a. d. Engl. 1995);
 S. Beller: F. J. Eine Biogr. (1997).
 E. C. Corti u. H. Sokol: Kaiser F. J. (Graz 61990);
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
 
√Ėsterreich-Ungarn: Nationale Fragen in der Donaumonarchie
 
 
¬†12) FraŐ£nz FeŐ£rdinand, Erzherzog, * Graz 18. 12. 1863, ‚úĚ (ermordet) Sarajevo 28. 6. 1914, Sohn von Erzherzog Karl Ludwig, Neffe von 11); wurde nach dem Tod des Kronprinzen Rudolf (1889) und seines Vaters (1896) Thronfolger. Seit 1900 steigerte sich sein politischer Einfluss, besonders nachdem er 1898 Stellvertreter des Kaisers im Obersten Kommando und 1913 Generalinspektor der Armee geworden war. In General F. Conrad von H√∂tzendorf fand er einen sachlich kompetenten Berater, mit dem er aber politisch v. a. in der Frage eines Pr√§ventivkriegs, der f√ľr Franz Ferdinand das Ende der √∂sterreichischen Monarchie bedeutete, nicht immer harmonierte. In anderen Zweigen der Staatsverwaltung war sein Einfluss beschr√§nkt, seine politischen Ambitionen lie√üen aber den Sitz der Milit√§rkanzlei zu einer informellen Nebenregierung werden. Gest√ľtzt auf diesen Belvederekreis trat Franz Ferdinand nachdr√ľcklich f√ľr die Erhaltung der Gro√ümachtstellung der Monarchie ein (¬ĽGro√ü√∂sterreichische Idee¬ę) und wandte sich gegen alle sprengenden Kr√§fte, besonders gegen die Unabh√§ngigkeitsbestrebungen des magyarischen Adels. Um dessen Herrschaft zu brechen und die ungarischen Nationalit√§ten bei der Monarchie zu halten, dachte er an die Einf√ľhrung des allgemeinen Wahlrechts in Ungarn und an einen bundesstaatlichen Umbau der Monarchie (Trialismus). In der ausw√§rtigen Politik war er ein Anh√§nger des Dreikaiserb√ľndnisses. Er bef√ľrwortete, allerdings mit manchen Schwankungen, eine friedliche L√∂sung der s√ľdslawischen Frage. Franz Ferdinand war seit 1900 mit Sophie Gr√§fin Chotek in morganatischer Ehe verheiratet. Seine Ermordung durch serbische Nationalisten (¬ĽSchwarze Hand¬ę) war der √§u√üere Anlass zum Ersten Weltkrieg.
 
 
E. Franzel: F. F. d'Este (Wien 1964);
 M. Polatschek: F. F. Europas verlorene Hoffnung (ebd. 1989);
 F. Weissensteiner: F. F. Der verhinderte Herrscher (Neuausg. 1994).
 
¬†Siebenb√ľrgen: ¬†
¬†13) FraŐ£nz I. R√°k√≥czi [-'raňźkoňźtsi], R√°k√≥czi, Franz I.
 
¬†14) FraŐ£nz II. R√°k√≥czi [-'raňźkoňźtsi], R√°k√≥czi, Franz II.
 
 Spanien:  
¬†15) FraŐ£nz von Assisi, spanisch Francisco de As√≠Ő£s [fran'őłisko-], K√∂nig (als Gemahl K√∂nigin Isabellas II. von Spanien Tr√§ger des K√∂nigstitels), * Aranjuez 13. 5. 1822, ‚úĚ √Čpinay-sur-Seine 17. 4. 1902, Neffe K√∂nig Ferdinands VII. Trotz seiner k√∂rperlichen und geistigen Behinderung aus Staatsr√§son seit 1846 mit seiner Cousine verheiratet; diese von Beginn an ungl√ľckliche Ehe schadete dem K√∂nigtum. Politisch weitgehend einflusslos, trug Franz jedoch 1849 entscheidend zum Sturz des Ministerpr√§sidenten R. M. Narv√°ez bei. Nach der Entthronung Isabellas (1868) trennte sich das K√∂nigspaar in der Emigration.
 
 Straßburg:  
¬†16) FraŐ£nz Egon Graf, seit 1664 F√ľrst von F√ľŐ£rstenberg, Bischof von Stra√üburg (seit 1663), * Heiligenberg 16. 4. 1626, ‚úĚ K√∂ln 1. 4. 1682; trat ab 1650 v. a. als politischer Berater und Minister des wittelsbach. Kurf√ľrsten Max Heinrich von K√∂ln hervor und suchte dessen Politik im Heiligen R√∂mischen Reich im Sinne Frankreichs zu lenken (u. a. bei Gr√ľndung des antikaiserlichen Rheinbundes, 1658). Au√üerhalb Kurk√∂lns und der √ľbrigen Herrschaftsgebiete Max Heinrichs (L√ľttich, Hildesheim) festigte er seine Position als kurzzeitiger Bischof von Metz (Nachfolger Mazarins), als F√ľrstabt von Stablo (Stavelot, bei Malm√©dy; 1660), Bischof von Stra√üburg (1663) und Abt von Murbach (1664). Seine Bedeutung schwand infolge seines franz√∂sischen Exils 1673/74-79.
II
FraŐ£nz,
 
1) G√ľnther, Historiker, * Hamburg 23. 5. 1902, ‚úĚ Stuttgart 22. 7. 1992; wurde 1935 Professor in Heidelberg, 1936 in Jena, 1941-45 in Stra√üburg, 1957 in Stuttgart-Hohenheim. Franz arbeitete besonders auf dem Gebiet der Agrargeschichte und der Geschichte des deutschen Bauernkrieges; daneben Quelleneditionen und fachliche B√ľcherkunden.
 
Werke: Der deutsche Bauernkrieg, 2 B√§nde (1933-35); Biographisches W√∂rterbuch zur deutschen Geschichte (1953, mit H. R√∂ssler); Geschichte des deutschen Bauernstandes vom fr√ľhen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert (1970).
 
Herausgeber: Sachwörterbuch zur deutschen Geschichte (1958).
 
¬†2) Robert, eigentlich R. Franz Knauth, Komponist, * Halle (Saale) 28. 6. 1815, ‚úĚ ebenda 24. 10. 1892; wurde 1842 Dirigent der Singakademie in Halle (Saale), 1859 daneben Universit√§tsmusikdirektor. In seinen √ľber 350 Klavierliedern verbindet er die Romantik R. Schumanns mit kontrapunktischem Satz. Er bearbeitete Werke von J. S. Bach und G. F. H√§ndel.
 
 
H. von der Pfordten: R. F. (1923);
 J. M. Boonin: An index to the solo songs of R. F. (Hackensack, N. J., 1970).

* * *

FraŐ£nz, das; - <meist o. Art.> [kurz f√ľr: Franz√∂sisch] (Sch√ľlerspr. Jargon): Franz√∂sischunterricht: er hat in F. eine 5 geschrieben; morgen haben wir kein F.; hast du schon F. (die Hausaufgaben o. √Ą. f√ľr den Franz√∂sischunterricht) gemacht?

Universal-Lexikon. 2012.

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